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IFFF/WILPF

Die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit ist eine internationale Nichtregierungsorganisation mit nationalen Sektionen in über 40 Ländern und allen Kontinenten dieser Welt. Die IFFF/WILPF besitzt Beraterstatus* bei verschiedenen Gremien der Vereinten Nationen (UN) mit einem internationalen Büro in Genf und einem New Yorker Büro, das sich vor allem der Arbeit der UN widmet.

WILPF ist die älteste Frauen-Friedensorganisation der Welt. Seit ihrer Gründung mitten im ersten Weltkrieg 1915 in Den Haag richtet sie sich gegen alle Formen von Krieg und Gewalt. Sie war maßgeblich an der Gründung der Vereinten Nationen (UN) beteiligt. Die IFFF/WILPF beteiligt sich an internationalen Kongressen und Weltfrauenkonferenzen und setzt sich auf nationaler Ebene für ihre Ziele ein. Mehr über WILPF ›

Aktion Aufschrei

Bundesweite Veranstaltungstermine der Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel unter: http://www.aufschrei-waffenhandel.de/Veranstaltungstermine.69.0.html.

Neuigkeiten

30.03. 2007

Zahrat al-Aghwar - Frauenradio in Jordanien

Im November letzten Jahres ist das Community-Radio des engagierten
Frauen-Radioprojektes „Zahrat al-Aghwar“ („Blume des Jordantals“) on air
gegangen.

Asma ist sehr froh, mit dabei zu sein. Sie ist 23 Jahre alt, in Jordanien geboren, und doch besitzt sie keinen Pass. Sie wird niemals an einer der staatlichen Universitäten einen Studienplatz erhalten, und sie wird weder im öffentlichen noch im privaten Sektor jemals eine Arbeit aufnehmen dürfen. Asmas ‚Verbrechen’: ihre Eltern sind 1948 aus Palästina geflohen, Asma gilt als Palästinenserin. Bisher fühlte sie sich von der Gesellschaft, in der sie lebt, nicht richtig akzeptiert, denn neben staatlicher Diskriminierung bekam sie auch die im Volk nicht unerheblichen Vorbehalte gegen Palästinenser zu spüren. Asma steckte immer schon voller Ideen, aber sie ahnte, dass sie diese in Jordanien nie wird realisieren können, weil ihr der Staat das Recht auf Bildung und Auskommen kontinuierlich verwehrt. Sie absolvierte schließlich an einer privaten Schule eine Ausbildung als Arzthelferin, obwohl der Beruf eigentlich nicht ihren Interessen entsprach. Dann hörte sie von dem neuen Radioprojekt und witterte darin die Chance, ihre Kreativität endlich sinnvoll einsetzen und dabei ihre Fähigkeiten weiter entwickeln zu können. Asma arbeitet sich nun in ihre neue Tätigkeit als Moderatorin ein. Sie ist mit Begeisterung bei der Sache. Schon bald wird sie gemeinsam mit ihren KollegInnen professionelle Arbeit leisten.
Asmas palästinensisches Schicksal unterscheidet sich von dem der meisten Frauen in der Region. Und doch ist deren Lage keineswegs hoffnungsvoller.

Archaische Gesellschaft

Das Jordantal zählt zu den ärmsten Gegenden Jordaniens. Hier fehlt es an Infrastruktur, es mangelt an Investitionen und Erwerbsmöglichkeiten. Außerhalb der im traditionellen Familienverbund betriebenen Landwirtschaft ist kaum Arbeit zu finden, und wenn, dann ist das Salär recht gering. Die meisten der Bewohner vorwiegend beduinischer Abstammung leben von Ackerbau und Viehzucht, denn die Senke hält fruchtbaren Boden und ausreichend Wasser bereit. Die Region nördlich des Toten Meeres ist ansonsten ein in vieler Hinsicht benachteiligter Landstrich, in dem der Alltag von chronischem Mangel bestimmt wird. Es fehlt neben flächendeckender Energieversorgung, ausgebauten Straßen und anderen Verkehrswegen auch an Krankenhäusern, sozialen Einrichtungen, Bildungseinrichtungen oder Vergnügungsstätten.

Die schlechten Lebensbedingungen wirken sich besonders auf die Situation der Frauen negativ aus. Da armutsbedingt wenig überregionaler und internationaler Austausch erfolgt, können traditionelle, extrem patriarchale Strukturen überdauern. So liegt die AnalphabetInnenrate unter Frauen doppelt so hoch wie die unter Männern. Schulbildung für Mädchen wird für wenig relevant erachtet, da Mädchen ohnehin üblicherweise schon im Alter von 14 bis 16 Jahren verheiratet werden und vorher, statt die Schulbank zu drücken, bevorzugt als Haushalts- und Erntehilfe eingesetzt werden.

Frauen im Jordantal sind traditionell nicht nur für den Haushalt und die Kinder zuständig, sondern haben sich häufig zusätzlich um alle landwirtschaftliche Arbeit sowie um den Verkauf der Produkte auf lokalen Märkten zu kümmern. Manche Männer haben bis zu vier Frauen, die sie gegen geringe Entlohnung für sich arbeiten lassen.

Eng definierte Frauenrolle

Sobald eine Frau verheiratet ist, nimmt die Produktions- und Reproduktionsarbeit meist all ihre Kräfte in Anspruch. Sie kann sich den umfassenden, von der Tradition gedeckten Zwängen ihrer Frauenrolle nicht entziehen; weder, um sich – und seien es auch nur elementarste - Formen von Bildung anzueignen, welche Grundvoraussetzung für das tätige Infragestellen dieser Strukturen wären, noch um sich mit anderen Frauen über ihre Situation auszutauschen und gemeinsam Handlungsstrategien zu entwickeln.

Zudem spielt Gewalt gegen die Frau oft eine nicht unbedeutende Rolle im Familienleben, denn weder die Frau noch ihr Mann haben jemals Lösungswege für familiäre und partnerschaftliche Konflikte kennen gelernt. Und eine Frau zählt oft nicht viel. Fawiza, die aus der Gegend kommt, erklärt es mit viel sagender Deutlichkeit: „Hier gibt es keine Frauenrechte. Ich habe keine juristischen Rechte und auch keine sozialen, etwa auf Bildung. Ich kann nicht einmal meine Meinung sagen.“

Viele Frauen bleiben unter diesen Bedingungen ihr Leben lang AnalphabetInnen und bewegen sich ausschließlich im eng gesteckten, rechtlosen Rahmen ihrer Familie. Dafür sorgt neben dem repressiven familiären Milieu auch die ländliche, patriarchal geprägte Infrastruktur: Frauen stehen kaum öffentliche Räume zur Verfügung, in denen ein Informationsaustausch stattfinden könnte. So erreichen wichtige Informationen zu sozialen, gesundheitlichen oder rechtlichen Fragen die Frauen nicht. Besonders vor dem Hintergrund häuslicher Gewalt bis hin zu so genannten „Ehrenmorden“ ist es erschreckend, dass Frauen oft nicht einmal wissen, dass ihnen gegebenenfalls rechtlicher Beistand zustünde.

Konzept Community-Radio

Community-Radios haben sich bereits seit Jahrzehnten in vielen Ländern der Welt als wirksames Mittel zur Thematisierung und Bekämpfung gesellschaftlicher und politischer Missstände bewährt. Das Medium eignet sich schließlich ideal, um arme und benachteiligte Bevölkerungen zu erreichen, denn die Geräte sind fast überall vorhanden und können in Gegenden, die nicht ans Stromnetz angeschlossen sind, auch mit Batterie betrieben werden. Im Gegensatz zur Zeitung können mit dem Radio auch AnalphabetInnen erreicht werden. Zudem lässt sich ein Radio sehr flexibel nutzen und beispielsweise auch während der Arbeit hören.

Im Nahen Osten ist das jordanische Frauenradio allerdings eines der ersten seiner Art. Vor Kurzem erst wurden in Jordanien rechtliche Hindernisse für die Errichtung privater Sender beseitigt. Jordanien nimmt dabei neben dem Irak eine Vorreiterrolle in der Region ein.

Community-Radios arbeiten auf unabhängiger, nichtkommerzieller Basis. Sie wirken lokal und können sich damit ganz gezielt den vor Ort akuten Problemstellungen und Bedürfnissen widmen. Im Allgemeinen finden solche kleinen, lokalen Radios großen Anklang bei der Bevölkerung, denn sie sprechen gerade Menschen auf dem Lande viel direkter an als etwa die großen kommerziellen Sender, die vergleichsweise aus einer fremden Welt berichten.

So war das auch im Jordantal. Nur für die staatlichen Organe, so hört man, war es gelegentlich noch eine ungewohnte Situation, sich mit einem freien Radiosender konfrontiert zu sehen.

Radio als Emanzipationsmotor

Die RadiomacherInnen verfolgen mehrere Ziele. Im Vordergrund steht das ‚Empowerment’, die Stärkung der Frauen auf verschiedenen Ebenen. Das Radio möchte den Frauen des Tals eine Stimme geben. Dazu gehört die Verbreitung unabhängiger und aktueller Nachrichten, die auf die Region zugeschnitten sind, sowie die Thematisierung verschiedener, speziell für die Frauen relevanten Fragen, wie etwa Schwangerschaft und Geburt, Partnerschaft und Sexualität, Gesundheit und Frauenrechte. Doch das Empowerment beginnt schon im eigenen Team. Die erste große Herausforderung war der Widerstand der Familien der jungen Frauen, die wie Asma am Projekt teilnehmen. Die Frauen wollten gern in Amman Kurse besuchen und an Konferenzen teilnehmen, doch ihre Familien erschwerten dies erheblich.

Das Radio soll auch als Plattform für eine weiter gehende überregionale und internationale Vernetzung fungieren. Ein ganz besonderer Schritt in dieser Richtung war die im November in Amman ausgerichtete internationale Konferenz der Community-Radios „Amarc9“. Zum ersten Mal fand dieses Treffen in einem arabischen Land statt. Das Radioteam aus dem Jordantal konnte an Workshops und technischen Seminaren teilnehmen und verfügt nun über zahlreiche internationale Kontakte. Allgemein sollen Vernetzungen auf globaler wie auf lokaler Ebene Frauen einbinden und sie ermutigen, sich aktiv in öffentliche Debatten einzubringen, welche sonst in aller Regel von Männern dominiertes Terrain sind.

Natürlich soll das Radio nicht zuletzt MacherInnen wie HörerInnen Spaß bereiten. Das Team hat den Anspruch, mit seinem Programm etwas Farbe, Freude und Unterhaltung in den oftmals monotonen Alltag der Frauen des Jordantals zu bringen.


Zu den Autorinnen:
Anne Mollenhauer ist seit 1993 Vorsitzende von Wadi e.V. und Tamara Aqrabawe arbeitet für die jordanische NGO AmanNet und ist verantwortlich für die Implemetierung des Frauenradios.

Erschienen in: Frauensolidarität 1/07

 

(Quelle: www.wadinet.de/projekte/jordan/zahrat_al-aghwar.htm)


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